Kempowskieskes Erzählen: Narrative Strukturen in Walter Kempowskis ‚Echolot‘
(Schriften des Europäischen Zentrums für Sprachwissenschaften (EZS) / ... Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, Band 8) 

»Das wird auf die Leser so wirken, als ob ›ich‹ überhaupt nichts daran gemacht hätte.« Walter Kempowskis (1929–2007) zehnbändiges ›Echolot‹ (1993–2005) ist eine zirka 8.000 Seiten umfassende Zitatcollage zum Zweiten Weltkrieg. Weil nur Vorwort, editorische Notiz und Widmung von Kempowski selbst stammen, wurde ihm wiederholt abgesprochen, als Autor des Werkes gelten zu können. Dennoch bestand er darauf, als ›Chorleiter‹ die verschiedenen Einzelstimmen erst zu einem Ganzen arrangiert zu haben.

Diese Studie spürt den narrativen Strukturen in der Anordnung der Zitate nach. Sie kontrastiert die scheinbare Abwesenheit eines Erzählers mit dem Umstand, dass Kempowski entschieden hat, wer wann wie zu Wort kommt. Sie zeigt, dass die Bücher mitnichten inkohärente und nicht-literarische Ansammlungen von Texten sind. Vielmehr sind es neben formalen und inhaltlichen Mustern auch literarische Figuren und Motive, die das ›Echolot‹ zu einem Kunstwerk mit komplexer Verweisstruktur und eigenem Aussagewert machen.
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Walter Kempowski bei Penguin

Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Er besuchte dort die Oberschule und wurde gegen Ende des Krieges noch eingezogen. 1948 wurde er aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach acht Jahren im Zuchthaus Bautzen wurde Walter Kempowski entlassen. Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmäßig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen ließ.
https://www.randomhouse.de/Autor/Walter-Kempowski/p1812.rhd

 

ENTDECKUNGSREISE INS EIGENE LAND

Es dauerte etliche Jahre, bis der Schriftsteller Gerhard Henschel einen Ratschlag in die Tat umsetzen konnte, den ihm 1986 sein älterer Kollege Walter Kempowski gegeben hatte: „Eine Tour, die in Bargfeld beginnt, sollte in Nartum enden“. Im Spätsommer 2015 brach er schließlich zusammen mit dem Fotojournalisten Gerhard Kromschröder auf und wanderte in zehn Tagen quer durch die Lüneburger Heide von Bargfeld, wo der Schriftsteller Arno Schmidt lebte, nach Nartum, dem letzten Wohnort Kempowskis.

Auf der 200 Kilometer langen Strecke gehen die Wanderer den geistigen Verbindungslinien zwischen den beiden literarischen Nachkriegskoryphäen Schmidt und Kempowski nach, mit wachem Blick für Land und Leute, für historische Zeugnisse und anekdotische Fundstücke. Keine Etappe gleicht dabei der anderen: mal führt sie durch schattige Wälder oder industriell bewirtschaftete Ackerflächen, mal über idyllische Pfade oder entlang verkehrsstarker Pisten, und auf stille Weiler folgen lärmende Gewerbegebiete. Immer wieder lassen sich die Wanderer vom herben Oberflächenreiz der Heidelandschaft gefangen nehmen, und überall stoßen sie auf Tatorte und Spuren einer Epoche, über die in den meisten Hochglanzreiseführern kein Wort verloren wird.

Das Wandertagebuch von Henschel und Kromschröder ist die opulent illustrierte Chronik einer literarischen Entdeckungsreise ins eigene Land, voller ungewöhnlicher Zufallsbegegnungen, kulturgeschichtlicher Abschweifungen und unvoreingenommener Seitenblicke auf eine Landschaft, deren spröder Charme viele in ihren Bann zieht.


Gerhard Henschel, geboren 1962 in Hannover, machte sich einen Namen als Schriftsteller mit seinem autobiographisch gefärbten Romanzyklus um sein Alter Ego Martin Schlosser, zuletzt im „Künstlerroman“ (2015). Er war persönlich bekannt mit Kempowski, über den er auch ein Buch veröffentlichte: „Da mal nachhaken. Wissenswertes über Walter Kempowski. Henschel wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Zu Kromschröders in der Edition Temmen erschienenen Bildband „Expeditionen ins Emsland. Ein deutscher Bilderbogen“ verfasste Gerhard Henschel das Vorwort; bei Kromschröders Hamburger Fotoausstellung „Emsland Schwarz-Weiß. Bilder einer norddeutschen Landschaft aus den 60er Jahren“ im März 2016 hielt er die Laudatio.

Gerhard Kromschröder, geboren 1941 in Frankfurt am Main, profilierte sich durch Undercover-Recherchen in der Neonazi-Szene für das legendäre Satireblatt „Pardon“ sowie für den „Stern“. Er lebte als Nahostkorrespondent in Kairo und berichtete im ersten Irak-Krieg als einziger deutscher Reporter und Fotograf aus dem bombardierten Bagdad. Kromschröder veröffentlichte zahlreiche Bücher und unterrichtete Journalismus an der Universität Wien.


Walter Kempowski

Haben Sie Hitler gesehen? Haben Sie davon gewußt?
Mit einem Vorwort von Joachim Gauck

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0481-1
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)

Verlag: Knaus

Zwei Bücher, die Geschichte machten – endlich wieder lieferbar
Mit einem Vorwort von Joachim Gauck, Freund und Weggefährte Kempowskis

Die "politischen Befragungsbücher" Walter Kempowskis gehören zum Grundbestand der Auseinandersetzung der Deutschen mit dem Nationalsozialismus. Jetzt werden sie wieder aufgelegt.

Ende der 1950er Jahre begann Walter Kempowski, seine Verwandten nach ihren Erinnerungen an Kindheit, Jugend und die Zeit des Dritten Reichs zu befragen. Sorgfältig notierte der angehende Schriftsteller alles in den "roten Bänden", Grundstock für sein Romanprojekt der "Deutschen Chronik", das ihn berühmt machte. Parallel dazu fing er an, Nachbarn, Bekannten und Passanten zwei Fragen zu stellen: "Haben Sie Hitler gesehen?" und "Haben Sie davon gewusst?" (nämlich von den KZs). Kempowski betrat mit dieser systematischen Befragung Neuland und brach damit im Wirtschaftswunderland Deutschland ein Tabu. Denn Vergessen und Verdrängen war das Gebot der Stunde.

1973 veröffentlichte Kempowski den Frageband um Hitler; er wurde (auch international) ein Bestseller. 1979 folgte der zweite Band. Die beiden Bücher haben ihren festen Platz im Kempowskischen Kosmos und waren wichtige Schritte hin zum "Echolot", "einer der größten Leistungen der Literatur unseres Jahrhunderts" (Frank Schirrmacher). (Quelle: Knaus-Verlag)

Dirk Hempel (Hrsg.), Walter Kempowski

Wenn das man gut geht! - Aufzeichnungen 1956-1970

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, ca. 624 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
Mit zahlreichen bisher unveröffentlichten s/w-Aufnahmen
ISBN: 978-3-8135-0367-8
ca. € 29,99 [D] | € 30,90 [A] | CHF 40,90* (* empf. VK-Preis)

Verlag: Knaus

Dieser Titel erscheint am: 10. September 2012

Ein literarisches Ereignis von Rang!

Kurz vor seinem Tod hat Walter Kempowski seinen langjährigen Mitarbeiter Dirk Hempel mit der Herausgabe des sogenannten »Sockeltagebuchs« betraut. Darin wird nicht nur die geistige Verfassung der jungen Bundesrepublik dokumentiert, sondern auch sein Werdegang zum Schriftsteller. Das Werk mit bisher unveröffentlichtem Material komplementiert seine bereits veröffentlichten vier Tagebücher.


Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Bautzen im März 1956 beginnt für Walter Kempowski im Westen ein zäher Kampf um eine bürgerliche Existenz. Abitur und Pädagogikstudium, Dorfschullehrer, die Gründung einer Familie – das sind die Stationen. Präzise verzeichnet er in dem vorliegenden Tagebuch seine alltäglichen Lebensumstände und die damit verbundenen Geldsorgen, gibt Aufschluss über das politische Klima, über die Atmosphäre und geistige Situation der Adenauer-Zeit. Vor allem aber liefert das Buch ein Porträt des Autors als junger Mann. Unter dem Eindruck seiner Kafka-Lektüre beginnt er zu schreiben, treibt Familienforschung (woraus sehr viel später seine »Chronik« entsteht) und schafft es nach mehreren Anläufen, seinen Haftbericht »Im Block« zu veröffentlichen.

Walter Kempowski, dem Zeit seines Lebens der mythische Held Sisyphos Vorbild für sein Schaffen war, erleben wir hier beim ersten Wälzen eines gewaltigen Felsbrockens. (Quelle: Knaus Verlag)

Kai Sina

Sühnewerk und Opferleben
Kunstreligion bei Walter Kempowski

Reihentitel: Göttinger Studien zur Generationsforschung. Veröffentlichungen des DFG-Graduiertenkollegs »Generationengeschichte« (Hg. von Dirk Schumann)
Bandnummer: 9
€ 29,90 (D); € 30,80 (A); CHF 38,90
alle Preise inkl. MwSt,
zzgl. Versandkosten
lieferbar ab 07/2012
282 Seiten mit 21 Abbildungen
Einband: gebunden, Schutzumschlag
Format: 14,5 x 22,0
ISBN: 978-3-8353-1089-6

Verlag: Wallstein

Kempowskis kunstreligiöses Konzept in seiner fast vierzigjährigen Entwicklung.

Auf ihm laste ein »verordnetes Lebenswerk«, diesen Satz notiert Walter Kempowski in sein Tagebuch. Er bezieht sich mit diesen bekenntnishaften Worten auf den ungeheuerlichen Anspruch, der sein schriftstellerisches Selbstverständnis seit jeher und grundlegend bestimmt ­ der Anspruch nämlich, mit dem aus Romanen, Tagebüchern und monumentalen historischen Textcollagen zusammengesetzten Werk die historische Schuld der Deutschen im Nationalsozialismus zu tragen. Diese vom Debütroman »Im Block« (1969) bis in den posthum erschienenen Gedichtband »Langmut« (2009) beharrlich aufrechterhaltene Überzeugung Kempowskis geht einher mit der umfassenden und anhaltenden Überformung seiner Autorschaft, seiner Poetik und nicht zuletzt seines literarischen Werks im Modus moderner Kunstreligion: Durch sein »Opferleben« vollbringt der Autor ein »Sühnewerk«, verbunden mit der Selbsterhöhung zum christusartigen »Vertreter«. Die literaturwissenschaftliche Studie von Kai Sina zeichnet dieses kunstreligiöse Konzept ­ einschließlich seiner ironischen Brechungen - in seiner fast vierzigjährigen Entwicklung nach. (Quelle Wallstein -Verlag)

Die Spatien

Spatien das sind Zwischenräume. Ein Begriff, der aus dem Druckgewerbe stammt. Wenn etwa zwey Wörter beysammen stehen / da ein spacium zwischen sol, so hat es Hieronymus Hornschuch bereits 1634 in seiner Orthotypographia dem Schriftsetzer ins Lehrbuch geschrieben.

Früh adaptierte Walter Kempowski – 1946 Lehrling in einer Druckerei – diesen Begriff für sich. Er steht bei ihm für das Ungesagte, die dem Leser abgekehrte, unbekannte Seite seines Werkes und seiner Biographie. So vermerkt das Findbuch des Kempowski-Archivs unter der Nummer 612: Die Spatien. Eine Sammlung von Essays, die meine ‚Chronik' be­gleiten sollen. Auch in seinen Tagebüchern ist zu lesen, wie Kempowski Möglichkeiten der Verwendung des Begriffes prüfte. Zunächst noch als Titel für ein Buch, das sein Werk erklärend begleiten sollte:

Die ‚Spatien', ein Band mit Aufsätzen, Bildband (August 1993).
Die ‚Spatien', meine hilflosen Erklärungsversuche (Mai 1994).

Dann als Titel eines Tagebuches:
‚Spatien'. Wäre auch ein guter Titel für [ein] Tagebuch (Oktober 1995).
Die Bezeichnung ‚Spatien' aufheben für die Tagebücher (März 2001).

Die Tagebücher heißen Sirius, Alkor und Hamit. Den Titel Die Spatien jedoch hat er uns für die Schriftenreihe überlassen.

Die Spatien sollen in unregelmäßigen Zeitabständen – jedoch mindestens einmal jährlich – erscheinen. Jede Ausgabe wird in drei Abteilungen gegliedert sein, die aus unterschiedlicher Perspektive im oben genannten Sinn Person und Werk Walter Kempowskis thematisieren.

Erste Abteilung: Texte von Walter Kempowski

Die Texte dieser Abteilung sind zum Teil unveröffentlicht, zum Teil liegt der Veröffentlichungszeitpunkt bereits einige Zeit zurück. Es eröffnet sich erstmals die Möglichkeit, die Arbeiten zusammenhängend und fortlaufend zu publizieren und jedem Interessierten leicht zugänglich zu machen.

Zweite Abteilung: Texte über Walter Kempowski

An dieser Stelle sollen all jene zu Wort kommen, die sich im weitesten Sinne mit dem Leben und Werk Walter Kempowskis beschäftigen oder mit ihm zusammenarbeiten.

Dritte Abteilung: Die Quellen.

Es ist bekannt, dass Walter Kempowski für seine Arbeit an der Deutschen Chronik umfangreiches Quellenmaterial zusammen-getragen und archiviert hat. So ist neben dem Romanwerk ein breites Archiv entstanden, das bürgerliche Kultur und bürgerliches Selbstverständnis repräsentiert. Dieses Material soll nun nach und nach in der Schriftenreihe erstmals veröffentlicht werden.

Abbildungen und Fotos, seltener Art und zum Teil bisher unveröffentlicht, werden die Texte in allen Abteilungen ergänzen. Die Schriftenreihe kann so für jeden Kempowski-Freund und -Enthusiasten zur Fundgrube werden. Die Herausgeber erhoffen sich eine Wirkung, die über die lokalen und regionalen Grenzen hinausgeht und möglichst viele Kempowski-Leser in Deutschland erreicht.

Fährten im Stein. Erinnerungen des Rostocker Baumeisters Heinrich Quade (1866-1945)
Herausgeber:      Redieck & Schade GmbH
Mitherausgeber:  Kempowski-Archiv Rostock e.V.
                            Prof. Dr. Eckart Reinmuth
                            277 Seiten; 21 x 14,5 cm
ISBN:                   978-3-942673-65-5
Preis:                   14,90 €
Die Lebenserinnerungen wurden vom Enkel des Baumeisters, Eckart Reinmuth, an das Kempowski Archiv übergeben, das den Druck des umfangreichen Textes initiierte.
Diese Aufzeichnungen dürften nicht nur für die Nachfahren Quades von Interesse sein, auch in bau- und stadtgeschichtlicher Hinsicht enthalten sie viele interessante Einblicke. Er verwirklichte wichtige Bauvorhaben, z.B. auch solche des Architekten Paul Korff. Heinrich Quade schrieb seine Erinnerungen zwischen 1941 und 1945 nieder. Die Hansestadt Rostock wurde in diesen Jahren mehrfach bombardiert. Viele der Bauten, die er ausgeführt hatte, wurden zu Trümmern – auch das Wohnhaus der Familie war zerstört. In dieser Zeit erzählt er sein Leben und hält es schriftlich fest. Es reicht von der Kindheit in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart des Kriegsendes. Eine Zeitspanne voller Veränderungen und Ereignisse, von denen doch nur einige unmittelbar angesprochen werden.
Mit diesen Erinnerungen wird uns ein sehr persönliches Lebensbild vor Augen gestellt, das Authentizität und Nachdenklichkeit auf ganz eigene Weise verbindet.
Leseprobe (PDF)

Kempowskis Rostock
Gerhard Weber (Herausgeber)
Walter Kempowski (Texte)

Heinrich Böll und Köln, Thomas Mann und Lübeck – es gibt Städte, die haben das große Glück, dass sich ihnen und ihrer Geschichte große Autoren widmeten. Auch Rostock gehört zu den derartig Bevorzugten. In zahlreichen Romanen hat Walter Kempowski seine Geburtsstadt nicht nur zur Kulisse, sondern zum prägenden Inhalt seiner Bücher gemacht.

Erstmals erscheint ein Band, der in Wort und Bild Kempowskis Rostock nachgeht. In Wort, das heißt in ausgewählten Passagen aus Walter Kempowskis Romanen. Und in Bild, in historischen Aufnahmen, die wie die Literatur eine Welt festhalten, die ansonsten längst untergegangen ist. Aufnahmen, ausgesucht von einem weiteren Chronisten der Hansestadt: Gerhard Weber, Fotograf und Sammler historischen Bildmaterials. Ihm ist es gelungen, zu den Texten die passenden Fotos zu stellen, von den altehrwürdigen Bauten der Stadt an der Warnow bis zu den Orten, die für die Familiengeschichte der Kempowskis große Bedeutung hatten. (Leseprobe PDF)

Das Haus der Kempowskis
Fotografien von Gabriele Kostas

Texte von Janos Frecot, Gabriele Kostas, Zitate von
Walter Kempowski, Gestaltung von Alexandra Zöller

Einfühlsame Dokumentation der ungewöhnlichen Lebens- und
Arbeitswelt von Walter Kempowski (Verlagsprospekt PDF)

»Wie eine Schädeldecke«
Walter Kempowskis Haus Kreienhoop

»Ein wenig Höhle, ein bisschen Gutshaus, Schule und Kloster.«
Als Walter Kempowski nach dem fulminanten Erfolg seines Buches »Tadellöser& Wolff« 1971 mit den Planungen für den Bau eines Hauses begann, schwebte ihm ein Ort vor, in dem Leben und Lernen verbunden werden sollten. Die Bewohner sollten, so ein »phantastisches Fernziel« Kempowskis, in dem Haus als »eine Art klösterliche Kommune« leben, mit dem Autor selbst in der Rolle des
»anregenden Patriarchen«.
Haus Kreienhoop war und ist bis heute Ort der literarischen Begegnung. Hier fanden die fast legendären Literaturseminare mit Schriftstellergrößen wie Harry Rowohlt und Martin Walser statt. Zugleich war das Haus auch Teil des literarischen Gesamtwerks – und wie dieses wuchs es im Laufe der Jahre durch immer wieder neue Anbauten. Gefüllt mit literarisch verarbeiteten Requisiten der Familiengeschichte gleiche es, so Kempowski, einer »Schädeldecke«.
Dirk Hempel zeigt in diesem Band viele Schnittpunkte zwischen architektonischem Konzept und Kempowskis literarischem Programm auf. Begleitet wird der Text von vielen großformatigen Fotografien, die Frauke Reinke-Wöhl größtenteils 1999 und 2000 abgelichtet hat und die einen historischen Zustand zeigen: das noch vom Dichter bewohnte Haus.

Der Autor Dr. Dirk Hempel, geb. 1965 in Cuxhaven, ist eng mit dem Werk und der Person Kempowskis vertraut. Er war sein langjähriger Mitarbeiter, u.a. für das Echolot-Projekt und ist Autor von »Walter Kempowkski. Eine bürgerliche Biographie«. Er ist Privatdozent an der Universität Hamburg.

Die Fotografin Frauke Reinke-Wöhl, geb. 1966 in Bremen, lebt und arbeitet als Fotografin und Kunsthistorikerin in Rotenburg/Wümme.

Dirk Hempel/ Frauke Reinke-Wöhl
»Wie eine Schädeldecke«

Walter Kempowskis Haus Kreienhoop
Edition Temmen
128 S., 105 Abb., gebunden 26,5 x 21,5 cm
ISBN 978-3-8378-4026-1
19,90 €

"Die Spiegelung Gottes". Walter Kempowski theologisch gelesen.
Diss. von Gita Leber,
ISBN 978-3-86893-047-4
erscheint ab dem 15. März im EBVerlag Dr. Brandt
Subskriptionspreis: 20,00 €
ab dem 15.März 22,80 €
Bestellungen unter Tel.: 030/68977233/ Fax: 030/91607774/
E-Mail: post@ebverlag.de
http://www.ebverlag.de

Tagungsband "Walter Kempowski: Bürgerliche Repräsentanz, Erinnerungskultur, Gegenwartsbewältigung"
Hrsg.: Hagestedt, Lutz
2010 | Gebunden | Euro [D] 99,95 / für USA, Kanada, Mexiko US$ 140,-. *
ISBN 978-3-11-021473-4
Produktinfo:
Walter Kempowski (1929–2007) war einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren. Der Band zieht erstmals eine Bilanz aller wesentlichen Aspekte seines Werkes. Er versammelt Beiträge von namhaften Literaturwissenschaftlern, die auf ein internationales Walter-Kempowski-Symposium in Rostock zurückgehen, das von der Universität Rostock und dem Kempowski Archiv Rostock veranstaltet wurde.

Walter Kempowskis Tagebücher
Selbstausdruck, Poetik, Werkstrategie

Philipp BöttcherKai Sina (Hg.)
Überblickt man die neuere Forschung zum Werk und Leben Walter Kempowskis (1929–2007), so drängt sich ein Eindruck geradezu auf: Was wir von diesem Schriftsteller zu halten haben, von seinem Selbstverständnis und seinem Werk, ja von seiner Stellung im Kontext der literarischen Moderne nach 1945 und dem intellektuellen Milieu der Bundesrepublik überhaupt, scheint längst noch nicht ausgemacht. Eines der wichtigsten Medien, dessen Untersuchung der weiteren Annäherung an diesen in vielfacher Hinsicht noch unerkannten Autor dienen kann, ist sein umfangreiches Tagebuch-Oeuvre, das neben seinen Romanen und Textcollagen die "dritte Säule" seines Gesamtwerks bildet.
Die Beiträge dieses Bandes untersuchen das Tagebuch bei Kempowski unter drei Aspekten: einmal als individueller Selbstausdruck des Dichters und Menschen Walter Kempowski in seiner Zeit; dann als "poetisches Artefakt", dessen Kompositionsprinzipien einer genuin modernen Montage- und Collageästhetik folgen, besonders markant im "Echolot", dem "kollektiven Tagebuch" des Zweiten Weltkriegs; und schließlich als ein "werkstrategisches Instrument", mit dem Kempowski auf die öffentliche Wahrnehmung seiner Person und seiner Bücher gezielt Einfluss nehmen will. Mit diesem mehrdimensionalen Ansatz zeichnet dieses Buch erstmals ein zugleich umfassendes wie auch facettenreiches Porträt des Diaristen Walter Kempowski.
Daneben enthält der Band drei längere Interviews, in denen Peter Kurzeck (in seinem letzten Gespräch), der Lyriker Nico Bleutge und die Familie des Autors ihre persönlichen Perspektiven auf den Tagebuchschreiber Kempowski schildern.


Der Nachlass des Schriftstellers Walter Kempowski birgt neben unzähligen Notizzetteln und regelmäßig geführten Tagebüchern auch Rohfassungen einzelner Projekte und einige Manuskript-Entwürfe.

Der Autor verwendete speziell angefertigte weiße Kartons, um sie zu sortieren und zu lagern. In einem dieser Kartons wartete das Projekt "Plankton" auf seine Realisierung.

Unter dem Kartondeckel fanden sich Hunderte von ausgedruckten Seiten, obenauf ein Blatt mit einem handgeschriebenen Zitat aus einem Buch von Michel Leiris: "Mehr noch als die anderen bin ich gerade von diesem eiskalten Dämon der Befragung besessen."
Dieses von Walter Kempowski notierte und dem "Plankton"-Manuskript quasi vorangestellte Zitat offenbart eine zutreffende Selbsteinschätzung des Schriftstellers. Es weist aber auch auf den Inhalt dessen, was sich hinter "Plankton" verbirgt: unzählige Erinnerungen von Menschen, die der Autor in nahezu 50 Jahren befragen konnte.
Walter Kempowski erkundigte sich nach der ersten Liebe, nach Begegnungen mit Prominenten, nach Reiseerlebnissen und Möbelstücken, nach dem Lieblingsgericht und Bibelzitaten, nach Vater und Mutter, den Großeltern oder dem Lieblingsspielzeug. Seine Neugier auf das, woran sich der Einzelne erinnerte, war scheinbar grenzenlos.

Für die Publikation wurden die jahrzehntelang zusammengetragenen Erinnerungsbilder in zufälliger Reihenfolge gemischt – nicht nur hier folgte die Herausgeberin Simone Neteler einem Wunsch des Autors. Entstanden ist auf diese Weise ein typisch kempowskieskes Werk – und fast wie von selbst ein literarisches Kunstwerk der Moderne, vor allem aber ein einzigartiges Lesevergnügen.

Auf Initiative des Knaus Verlags und der Herausgeberin wird das "Plankton"-Projekt im Sinne Walter Kempowskis fortgeführt. Auf der Internetseite www.kempowski-plankton.de kann jeder Interessierte eigene Erzählpartikel verfassen und dem vorliegenden Erinnerungskosmos beigebe... (Simone Neteler)

Weitere Hinweise unter:
http://www.kempowski-stiftung.de/kempowskieskes/plankton/plankton.html
http://www.randomhouse.de/knaus/
http://www.randomhouse.de/Sprecher/Walter_Kempowski/p1812.rhd

Walter Kempowski, Simone Neteler (Hrsg.)
Plankton
Ein kollektives Gedächtnis

Gebundenes Buch, Leinen, 832 Seiten, 14,4 x 21,6 cm,
30 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-8135-0513-9
€ 49,99 [D] | € 51,40 [A] | CHF 66,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Knaus

All for Nothing
Walter Kempowski
Winter, January 1945. It is cold and dark, and the German army is retreating from the Russian advance. Germans are fleeing the occupied territories in their thousands, in cars and carts and on foot. But in a rural East Prussian manor house, the wealthy von Globig family tries to seal itself off from the world.
Peter von Globig is twelve, and feigns a cough to get out of his Hitler Youth duties, preferring to sledge behind the house and look at snowflakes through his microscope. His father Eberhard is stationed in Italy - a desk job safe from the front - and his bookish and musical mother Katharina has withdrawn into herself. Instead the house is run by a conservative, frugal aunt, helped by two Ukrainian maids and an energetic Pole. Protected by their privileged lifestyle from the deprivation and chaos around them, and caught in the grip of indecision, they make no preparations to leave, until Katharina's decision to harbour a stranger for the night begins their undoing.
Superbly expressive and strikingly vivid, sympathetic yet painfully honest about the motivations of its characters, All for Nothing is a devastating portrait of the self-delusions, complicities and denials of the German people as the Third Reich comes to an end.
Grantabooks

Swansong 1945
A Collective Diary from Hitler's Last Birthday to Ve Day

Walter Kempowski
Swansong 1945 chronicles four significant days in the last three weeks of WWII: 20 April, Hitler's last birthday; 25 April, when American and Soviet troops first met at the Elbe; 30 April, the day Hitler committed suicide; and 8 May, the day of the German surrender. Side by side in these pages, we encounter the voices of civilians fleeing on foot to the west, British and American POWs dreaming of home, concentration camp survivors, loyal soldiers from both sides of the conflict and national leaders including Churchill, Hitler and Mussolini. A monumental account of survival, suffering, hope and despair, Swansong 1945 brings vividly to life a conflict whose repercussions are felt today.
Grantabooks



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