Eine Obsession ist bildungssprachlich eine mit Besessenheit verfolgte Leidenschaft oder Fixierung auf ein bestimmtes Thema. Im psychologischen Sinne sind Obsessionen Zwangsvorstellungen, also Gedanken, zwanghafte Ideen oder auch Gefühle, von denen jemand ohne eigenes Zutun immer wieder heimgesucht wird und die oft als beängstigend empfunden werden. Der Ursprung des deutschen Begriffs findet sich im lateinischen obsessio (Blockade). „Literarische“ Obsessionen zu untersuchen kann also sehr spannend sein.
Auf ihm laste ein „verordnetes Lebenswerk“, diesen Satz notiert Walter Kempowski in sein Tagebuch, da gebe es kein „Wenn und Aber.“ Er bezieht sich mit diesen bekenntnishaft anmutenden Worten auf den ungeheuerlichen Anspruch, der sein schriftstellerisches Selbstverständnis seit jeher und grundlegend bestimmt – der Anspruch nämlich, mit dem aus Romanen, Tagebüchern und monumentalen historischen Textcollagen zusammengesetzten Werk die historische Schuld der Deutschen im Nationalsozialismus zu tragen. (Kai Sina)
Eine wissenschaftliche Tagung am Institut für Germanistik wird sich im Juli 2026 mit diesem Themenfeld diskursiv auseinandersetzen. Als professioneller und öffentlicher „Sidekick“ und unter Bezug und Anlehnung an den literarischen Anspruch eines Walter Kempowskis sollen Autor*innen eingeladen werden, die jeweils eine literarische Obsession im kempowskischen Sinne „ausleben“: Archiv, Recherche, Lebensthema.
Flyer Kempowski-Tage 2026 (PDF)
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